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Presseschau für den kritischen Fußballfreund

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Oliver Fritsch | Donnerstag, 25. März 2004 Kommentare deaktiviert für Themen

Themen: DFB-Pokal: die beiden Bundesligisten aus Frankfurt und Hamburg setzen sich jeweils knapp gegen Traditionsvereine aus der Regionalliga durch – Dortmunder Gehaltsdebatte – Portrait Asgeir Sigurvinsson, Trainer Islands – Bernd Stange mit seinem Iraker Nationalteam in Bayern u.v.m.

Dynamo Dresden – Hamburger SV 0:1

Christian Ewers (FAZ 3.9.) berichtet vom Spiel. “Kurz vor Spielbeginn legte der Stadionsprecher noch einmal besonderes Gewicht in seine Worte. Liebe Fußballfans, sagte der Mann, bitte schmeißt die Eintrittskarten nicht sofort weg, wenn es nicht so laufen sollte. Bitte bewahrt sie für die Verlosung auf. Es gibt tolle Preise zu gewinnen. Dann wurde auch noch You‘ll never walk alone über Lautsprecher angestimmt. Und dann begann das DFB-Pokalspiel zwischen Dynamo Dresden und dem Hamburger Sportverein. Die Umkleidekabinen im Rudolf-Harbig-Stadion müssen schalldicht isoliert gewesen sein am Montag abend, denn der Dresdner Regionalligaklub spielte, als habe er statt eines traurigen Liedes ein Heavy-Metal-Album zur Einstimmung gehört. Eine Stunde lang bot Dynamo Dresden einen großen Kampf. Nach dieser einen Stunde aber waren die Kräfte erschöpft. Als der HSV-Stürmer Naohiro Takahara in der 81. Minute zu einem Sprint durch den Strafraum ansetzte, konnte ihm kein Dresdner Verteidiger mehr folgen (…) Bis auf wenige Szenen erlebte Pieckenhagen einen recht ruhigen Abend in Dresden. Das war ein neues Erlebnis für den HSV-Schlußmann, der zuletzt elf Tore in vier Bundesligapartien kassiert hatte. Und es war auch ein neues Erlebnis für den Hamburger Trainer Kurt Jara. Sein verändertes taktisches Konzept ging auf. Für den offensiv eingestellten Christian Rahn auf dem linken Flügel hatte er den zweikampfstarken Stephan Kling nominiert. Zudem verstärkte Raphael Wicky das defensive Mittelfeld. Die Viererkette machte einen gefestigten Eindruck, sie benötigte jedoch viel Konzentration und Energie, um sich selbst zu organisieren. Am Anfang haben wir vielleicht sogar zu diszipliniert gespielt, sagte Jara. Da ging es nur noch um Ordnung in der Abwehr, und vorne ist überhaupt nichts passiert. In der zweiten Halbzeit dann wirkte sich das Sicherheitsdenken in der Verteidigung weit weniger hemmend aus auf das Angriffsspiel. Angetrieben von Stefan Beinlich verlagerte sich der HSV zunehmend in die Dresdner Spielhälfte. Die zweite Halbzeit könnte stilbildend werden für den Hamburger SV.“

Kickers Offenbach – Eintracht Frankfurt 4:5 n.E.

Sebastian Krass (SZ 3.9.). “Der Spott des späteren Siegers lag schon vor dem Spiel in der Luft. Genau genommen, flatterte er als Aufdruck eines Transparents hinter einem Flugzeug her, das über dem Stadion am Bieberer Berg kreiste. „Derbysieger 1959, 1971, 1984…“ stand auf dem Stoff. Die Botschaft des Eintracht-Frankfurt-Anhängers war klar: ’Versucht es nur immer wieder, ihr Offenbacher Kickers. Am Ende siegen doch wir.’ 1959 etwa gewann die Eintracht das dramatische Finale um die Deutsche Meisterschaft mit 5:3 nach Verlängerung. Für die Eintracht blieb es der einzige Meistertitel – für die Kickers ist dieses Spiel in Berlin heute noch so etwas wie für Bayern-Fans das unselige Champions-League-Finale gegen Manchester. 2003 war es kein Endspiel, sondern nur die erste Runde des DFB-Pokals, in der Frankfurt und Offenbach zusammengelost wurden. Wieder hatte die Eintracht das bessere Ende für sich. Und wieder lachen die Fans hämisch über die Kickers. Das Flugzeug über dem Stadion ist für einen Frankfurter ein guter Ort, um den gewohnt abschätzigen Blick auf Offenbach hinabzuwerfen. Die Nachbarstadt im Südosten ist für Frankfurter so etwas wie der Wurmfortsatz ihres ach so weltläufigen Metropölchens. Ähnlich sehen das die Fußballfans. Gerade wieder in die erste Liga aufgestiegen, spottet es sich leicht über die in der Regionalliga dümpelnden Kickers – vor allem, wenn man nach dem ernüchternden Saisonstart mit den anderen in der Bundesliga nicht mitbellen kann. In dieser Pokalbegegnung steckte im Vorfeld weit mehr Brisanz als in den ritualisierten Derbys der Bundesliga.”

Marc Heinrich (FAZ 3.9.) meldet ausbleibende Vorfälle. „Regen ist noch immer ein verläßlicher Schutzmann. Diese alte Weisheit, auf die sich Generationen von Polizisten berufen, hat sich am Montag einmal mehr bewahrheitet. Pünktlich zum Schlußpfiff des ersten Rhein-Main-Derbys seit beinahe zwei Jahrzehnten schüttete es kräftig aus den dunklen Wolken, die über dem Stadion aufgezogen waren. Nicht einmal auf die zuvor zum besten gegebenen Sprechchöre wie Pflastersteine für die Kickers-Schweine und Eintracht verrecke hatten die Krakeeler aus beiden Lagern, die von jeher eine innige Abneigung füreinander teilen, nach 120 spannenden Minuten Lust – durchnäßt strömten die Massen lieber nach Hause. Auf dem Mittelstreifen der Bieberer Straße standen bis hinauf zur Arena des OFC Polizeibusse aneinandergereiht. Auf diese Weise konnten die Sympathisanten auseinandergehalten werden: Die Frankfurter marschierten links, die Offenbacher rechts. Das Großaufgebot an Einsatzkräften, das Teile Offenbachs und das Areal um den Bieberer Berg vom Nachmittag an in eine Festung verwandelt hatte, konnte danach, ohne größere Auseinandersetzungen schlichten zu müssen, den geordneten Rückzug antreten. Der Verlierer, der über weite Strecken der Partie über sich hinausgewachsen war und im Alltagsgeschäft lediglich in der dritten Liga spielt, trauerte hinterher seinen verpaßten Chancen nach: Der Coup in diesem Klassenkampf war für die Mannschaft von Trainer Lars Schmidt zum Greifen nahe (…) Für Dieter Müller, den Präsidenten der Kickers, hatte das Scheitern seiner Mannschaft beinahe tragische Züge: Wer sich die Offenbacher Fußballgeschichte vergegenwärtigt, wird feststellen: Der letzte Schuß geht bei uns immer daneben.“

Leserbriefe zum Thema Eintracht Frankfurt an die FR-Sportredaktion

Chance, das eigene Image aufzubessern

Richard Leipold (Tsp 3.9.) kommentiert die Dortmunder Gehaltsdebatte. “Vordergründig geht es ums Geld. Aber manchem Profi, der um seinen Status fürchtet, eröffnet das große Feilschen um vermeintlich sichere Gehaltsansprüche auch die Chance, das eigene Image aufzubessern. Der zum Ersatzspieler abgestiegene einstige Publikumsliebling Lars Ricken macht mit moderaten, ja verständnisvollen Tönen Eigenwerbung, die ihm auf dem Rasen seit längerem nicht mehr möglich ist. „Ich spiele seit zehn Jahren für Borussia“, sagt er. „Der Verein hat mir so viel Geld gegeben, dass ich jetzt auch etwas abgeben kann.“ Jeder könne sich ausrechnen, ob er bei anderen Klubs besser gestellt wäre. Ein Hinweis an die Spitzenverdiener in der Mannschaft. Auf deren Votum dürfte es letztlich ankommen. Wenn Stars wie Rosicky, Amoroso und Koller den Verzicht akzeptieren, fehlt es allen anderen an Argumenten, sich zu verweigern. Jan Koller sagte der tschechischen Zeitung „Lidove noviny“: „Jeder wird für sich verhandeln. Und wenn alle einlenken, werde ich auch zustimmen.“ Bisher haben dies vor allem Spieler getan, die allen Grund haben, dankbar zu sein: Routiniers wie Reuter, Wörns und Ricken schätzen den BVB als verlässlichen Vertragspartner; der junge Torwart Weidenfeller freut sich, mit 23 Jahren schon die Nummer eins zu sein. Spieler, die sich sperren, will die Geschäftsleitung nun in Einzelgesprächen einschwören. Ein vorübergehend angespanntes Betriebsklima, in dem jeder den anderen misstrauisch beäugt, nimmt Manager Michael Meier in Kauf; vielleicht beabsichtigt er es sogar. Er sagt: „Wenn einer nicht vernünftig lebt oder eine schlechte Einstellung hat, muss ihm sein Mitspieler sagen: Du nimmst mir hier die Kohle weg, weil du nicht funktionierst.““

SpOn-Interview mit Claus Reitmaier, Ersatz-Torhüter Borussia Mönchengladbach

SZ-Portrait Eduard Glieder, österreichischer Neuzugang in Schalke

Beckenbauer im Nordatlantik

Erich Ahlers (SZ 3.9.) porträtiert Islands Trainer. „Bisweilen kann Sigurvinsson seine schwäbische Vergangenheit nicht leugnen, „a bissle“ klingt sie durch. Ohnehin zieht es ihn zwei- bis dreimal pro Jahr zurück nach Deutschland. Dann trifft er sich mit früheren Mitspielern wie Guido Buchwald und Bernd Förster, mit denen er 1984 die deutsche Meisterschaft gewann. Zum Leidwesen des FC Bayern, der sein Talent verkannte und ihn nach nur 17 Einsätzen hatte ziehen lassen. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, Paul Breitner habe den Abschied beschleunigt, weil er in dem skandinavischen Edeltechniker einen Rivalen um die Chefrolle erkannt hatte.Eine sportliche Heimat fand Sigurvinsson erst in Schwaben, später auch eine berufliche. Den Getränkeabholmarkt in Denkendorf, der ihm gehört, hat er seit Jahren verpachtet. Es war eine schöne Zeit damals, als er Regisseur genannt und dieser Bezeichnung mit seiner eleganten Ballführung vollauf gerecht wurde. Spielertypen wie er es war sind zu einem raren Gut geworden, eigentlich gibt es sie gar nicht mehr. Dass der VfB damals an einem gewissen Rudi Völler vom TSV 1860 München dran war, ihn aber doch nicht verpflichtete und zu Werder Bremen ziehen ließ, wurmt ihn noch heute: „Das war der größte Fehler, den der VfB je gemacht hat.“ Er selbst hatte auch mal daneben gegriffen, als er Anfang der neunziger Jahre einen Sommer lang Klubtrainer bei Fram Reykjavik war. „Coach zu sein ist hier ein harter Job. Die Plätze sind nicht gut, das Wetter ist schlecht.“ Umso überraschender kam es bei dieser Skepsis, dass er im April zum Nachfolger von Atli Edvaldsson berufen wurde. Der brachte ebenfalls Erfahrung als Bundesliga-Spieler mit, hatte sich aber als Island-Chefcoach mehr und mehr Feinde gemacht. Sigurvinsson hingegen gilt als unantastbar, nach drei Siegen in Folge sowieso (2:1 gegen die Färöer, 3:0 gegen Litauen, 2:1 auf den Färöern). Er ist quasi ein Beckenbauer im Nordatlantik.“

Tsp-PortraitThordur Gudjonsson, Internationaler Islands

Detlef Hacke (Spiegel 1.9.). „Das Verhältnis der Stadt Gelsenkirchen zu seinem Vorzeigeverein Schalke 04 ist allgemein herzlich. In dem Schreiben jedoch, das am 15. August bei dem Fußballclub einging, war davon nichts zu spüren. Nüchtern im Ton und kompromisslos in der Sache untersagte das Referat 32 (Öffentliche Sicherheit und Ordnung) den Schalkern, im Stadion für die digibet wetten.de AG zu werben, einen privaten Anbieter von Sportwetten im Internet. Die Behörde ordnete sofortige Vollziehung an, andernfalls mache man sich der strafbaren Beihilfe schuldig. Grund: Digibet wetten.de sei in Nordrhein-Westfalen nicht zugelassen. Der Brief las sich, als habe der Club sich mit Gaunern eingelassen und wolle sein Publikum zur ungesetzlichen Zockerei verführen. Verschreckt entfernten die Schalker alle wetten.de-Banden aus ihrer Arena; der erst im Juli mit der Wettgesellschaft geschlossene Vertrag ruht einstweilen. Dabei besitzt der Betreiber der Firma eine rechtmäßige Konzession, ausgestellt in Berlin. Dort ging wetten.de vor rund einem Jahr online. Seitdem können Tipper per Mausklick unter anderem auf die Bundesligapartien setzen – legal, auch auf Spiele von Schalke 04, auch von Gelsenkirchen aus. Rein willkürlich exekutiere die Stadt eine Weisung des Landes Nordrhein-Westfalen, zürnt Markus Maul, 40, Jurist und AG-Vorstand, und fürchtet um die Zukunft des Unternehmens. Wenn wir nur in Berlin werben dürfen, so prophezeit er, gehen bei uns die Lichter aus. Denn in dem Streit geht es um mehr als um die bloße Frage, ob ein paar Logos in einem Stadion prangen dürfen oder nicht. Es geht darum, ob private Anbieter von Sportwetten ungehindert auf einem Markt agieren dürfen, den Branchenkenner bundesweit auf eine Milliarde Jahresumsatz taxieren, Tendenz steigend. Einen Kampf David gegen Goliath nennt Maul den Versuch, den staatlichen Lotto-Gesellschaften, die mit den Oddset-Sportwetten noch den Markt beherrschen, die Kunden abzujagen. Aber wenn es ein paar Davids sind, spürt Goliath die Verluste. Also haut er mit einem Knüppel auf alle, die ihn stören könnten, wenn sich der Markt öffnet. Auch wenn das Internet die Realität längst anders aussehen lässt: Bislang schützen noch Landeslotteriegesetze das zerbröselnde Monopol (…) Ist das alleinige Recht des Staates, Glücksspiele zu veranstalten, überhaupt noch zeitgemäß? Denn den ursprünglichen Zweck, die Deutschen vor der Zockerleidenschaft zu schützen, erfüllt der Lotto-Betrieb längst nicht mehr. Intensive Werbung und pompöse Fernsehshows wie jene der Süddeutschen Klassenlotterie gaukeln jedem vor, dass er zum Glücksritter taugt. Andererseits sind die Bilanzgewinne der Gesellschaften stets der Allgemeinheit zugute gekommen: Steuern und Konzessionsabgaben gehen an die Landeskassen, weitere Millionen fließen Organisationen wie dem Roten Kreuz und dem Sportbund zu. “

Wenn ein Spieler was erzählt hätte, wäre er doch tot gewesen

Elisabeth Schlammerl (FTD 3.9.) besuchte die Pressekonferenz mit Iraks Nationaltrainer Bernd Stange, der mit seiner Mannschaft zurzeit in Bayern ein Trainingslager absolviert. „Bernd Stange weiß, dass es nicht seine Arbeit als irakischer Nationaltrainer ist, die so viele Journalisten und Kamerateams ins Kurhotel Kreuzer in Bad Wörishofen lockt. Es interessiert weniger die Gegenwart, sondern mehr die Vergangenheit, auch Stanges Vergangenheit in Irak. Es gab viel Kritik, als er im November 2002, als noch Saddam Hussein an der Macht war, in Irak unterschrieben hat. Die Fragen an Stange sind fast immer die gleichen, seine Antworten auch. Er habe sich nicht missbraucht gefühlt vom Despoten „weil ich nie Kontakt hatte zur herrschenden Klasse“. Er habe sich sogar in den Vertrag schreiben lassen, sich nur zu sportlichen Fragen äußern zu müssen. Und wäre es ihm nur ums Geld gegangen, wie viele in Deutschland behauptet hatten, „würde ich längst schon wieder Rasenmähen in meinem Garten in Jena“, denn seit Januar hat er kein Gehalt mehr bekommen. Dass er im Juni zurückgekehrt ist, hat vor allem mit seinem großen Traum zu tun. „Einmal im meiner langen Trainerkarriere an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen.“ Für 2006 rechnet er sich Chancen aus. Auch die Berichte, wonach Saddam Husseins Sohn Udai, 18 Jahre lang Vorsitzender des irakischen Fußballverbandes, Spieler misshandelt hat, wenn sie schlechte Leistungen abgeliefert haben, seien für Stange kein Grund gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben. Er verweist auf einen Untersuchungsbericht des Weltverbandes Fifa. „Die haben nichts gefunden, darauf habe ich mich verlassen.“ Er war sich im November des vergangenen Jahres sicher, guten Gewissens den Job antreten zu können. Er hat nicht gefragt, nicht hinterfragt. Aber er hätte aus Angst vor Repressalien wohl auch keine Antwort bekommen. „Wenn ein Spieler was erzählt hätte, wäre er doch tot gewesen“, ist sich Stange sicher. Erst die neuen Meldungen über frühere Gräueltaten hätten ihn „sensibilisiert“, gibt er zu. „Dann habe ich schon mal schon mal nachgefragt.“ Ein schwarzer Punkt im Auge eines Spielers sei ihm aufgefallen. „Andere haben gesagt, da war mal was.“ Qusai Hasim selbst aber habe ihm gesagt, da sei nichts gewesen. Stange ließ es dabei bewenden. „Soll ich Kriminalist spielen? Ich muss doch mein Arbeit als Fußballtrainer machen.“ Hasim erzählt viel von früher und davon, dass er dreimal im Gefängnis war. Er erzählt auch, warum: Das erste Mal, nachdem er mit der Junioren-Auswahl den ersten Platz bei einem Turnier verpasst hatte. Das zweite Mal, weil er zur Wahl von Udai als Präsident des irakischen Fußballverbandes nicht erschienen war und das dritte Mal, nachdem er ein paar Monate im Jemen gespielt hatte. Aber was ihm im Gefängnis passiert ist, davon erzählt er wenig. Vielleicht haben die Spieler noch immer Angst. Angst vor der Zukunft. Angst vor der Rache versprengter Anhänger des Hussein-Regimes. „Nein, das ist es nicht“, sagt der irakische Sportjournalist Abdul Al-Wahab, der das Team nach Deutschland begleitet hat. „Sie wollen die Vergangenheit vergessen, nicht mehr daran denken.““

Jörg Wolfrum (NZZ 3.9.) berichtet den bevorstehenden Start der WM-Qualifikation in Südamerika. „Hernán Crespo tat dieser Tage etwas, was einem Stürmer eigentlich verboten ist: Der nach dem Rücktritt von Gabriel Batistuta (lässt die Karriere als hoch dotierter Spielertrainer im Wüstensand von Katar ausklingen) international treffsicherste Argentinier (19 Länderspieltore) trat vor dem Duell am Samstag in Buenos Aires gegen Chile auf die Bremse. „Platz eins ist mir egal. Abgerechnet wird erst 2006 in Deutschland“, sagt der 28-Jährige. Crespo ist ein gebranntes Kind. Und als solches weiss der neue Stürmer von Chelsea, wovon er spricht. Denn in der Qualifikation zur WM 2002 hatte Argentinien über Monate hinweg Traumfussball gezeigt, reiste darauf als einer der Topfavoriten nach Japan und Korea – und musste bereits nach der Vorrunde wieder die Koffer packen. Weltmeister wurde ausgerechnet die Mannschaft, die die Gauchos in der 18 Spiele umfassenden südamerikanischen WM-Ausscheidung noch um 13 Punkte distanziert hatten: Brasilien. «Von mir aus können wir diesmal in der Qualifikation nur Vierter werden», sagt Crespo deshalb heute. Würde auch reichen, da Südamerika nach langem Gezeter auch für die WM in Deutschland 4,5 Startplätze zur Verfügung stehen. Noch sind es fast drei Jahre bis zum Eröffnungsspiel in München. Doch als gingen die Uhren in Rio, Buenos Aires oder Montevideo für einmal vor, fällt in Südamerika am Samstag mit dem Nachbarschaftsduell Argentinien gegen Chile bereits der Startschuss zur Qualifikation für die WM 2006 – zu einem Zeitpunkt, wo in Europa gerade die EM-Qualifikation in die heisse Phase geht. In Lima trifft Peru am Samstag auf das im Neuaufbau befindliche Paraguay, und das Überraschungsteam der letzten Ausscheidung, Ecuador, spielt in der Höhenluft von Quito gegen Venezuela. Am Sonntag tritt Uruguay im ältesten WM-Stadion, dem 1930 erbauten „Centenario“ in Montevideo, gegen Bolivien an. Weil nach den neuen Regeln des Weltverbandes Fifa der Titelhalter für die kommende WM nicht mehr gesetzt ist, steht für Brasilien nur 434 Tage nach dem Finalsieg in Yokohama der Titel schon wieder auf dem Spiel.“

Gewinnspiel für Experten

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