indirekter freistoss

Presseschau für den kritischen Fußballfreund

Ballschrank

Zweite Liga

Oliver Fritsch | Donnerstag, 25. März 2004 Kommentare deaktiviert für Zweite Liga

In einem sehr lesenswerten Artikel berichtet Bernd Müllender (taz 12.2.) das Remis zwischen dem 1. FC Köln und Alemannia Aachen im Montagsspiel der Zweiten Liga. „Das 3:3 zwischen Erstem und Sechstem war ein Fußballspiel, wie man es selten erlebt. Aachens Kapitän Kalla Pflipsen staunte nach immerhin 14 Profijahren: Im Fußball gibt es schon komische Geschichten, immer wieder neu, immer wieder schön. Die spielstarken Aachener waren lange klar spielbestimmend (Kölns Dirk Lottner), respektive sehr stark (Trainer Friedhelm Funkel). Aber die Tore schossen die Kölner. Vor zwei Wochen, in der Kneipe beim Bier, hatten Funkel und sein Manager Andreas Rettig eine Todsünde begangen. Sie spielten das Spiel Fußball als Wunschkonzert. Unter welchen Umständen der FC, rein theoretisch, dem Nachbarn den Sieg schenken würde? Funkel bockte: Ich will immer gewinnen. Rettig war einverstanden, wenn sein Club in Duisburg nicht verlieren würde und die Bayern im Pokal nach Elfmeterschießen rauswerfen würde. Dann darf Alemannia in Köln gewinnen. So ist der Kölner: Man muss auch jönne könne. Das Spiel in Duisburg wurde zwar nicht verloren (Spielausfall), aber in München, beim 0:8, fehlten acht eigene Tore zumindest zum Erreichen der Verlängerung. Funkel hatte da gesagt: Eine solche Niederlage kann einer Mannschaft einen Knacks geben, aber nicht uns. Nach dem 3:3 waren er und Rettig mit Leichenbittermiene vom Felde gestapft, grellig diskutierend. Funkel sagte dann empört: Nein, das Spiel hatte mit dem 0:8 nichts zu tun. Wahrscheinlich hatte es das doch, und der Spielverlauf war schlimmer, als es eine unglückliche Niederlage hätte sein können. Das Rheinland-Derby mitten in der närrischen Jahreszeit war auch ein musikalischer Abend. Die 5.000 Aachener gaben vorher laute 8:0-Choräle. Als es 3:0 für den FC stand, schwenkten sie auf Zukunftsperspektive um: Nur ein Jahr, dann seid ihr wieder da. Die Kölner forderten derweil von der prächtigen neuen Südtribüne glückselig und selbstbesoffen 8:0 – und nach dem 3:1 immerhin noch 8:1. Nachher ging man schweigend heim. Und sauer. Nicht mal für das selbstironische Wir sind nur ein Karnevalsverein reichte es. Weil es eben mal nicht joot jejange war. Reihenweise hat der 1. FC Köln in dieser Saison schon Spiele wie das gegen Aachen abgeliefert: defensives Versteckspiel nach Funkels Philosophie. Kaum Initiative, kaum Spielwitz. Motto: Abwarten und auf Fehler lauern. Mit viel Dusel und Leuten wie Lottner oder Scherz, deren Abgeklärtheit immer für ein Tor gut ist. Der FC spielt, wie Funkel redet: ohne jeden Schnörkel, humorlos. Ein fußballerisches Herr-und-Hund-Syndrom. Die Fans sind befriedet nur durch die knappen Siege und den Tabellenstand. Manche sagten nachher: Gut so. Vielleicht denken sie mal über ihre Auftritte nach. Wird Köln dennoch aufsteigen? Sieben Punkte Vorsprung und ihre ökonomische Spielweise sprechen dafür.“

In der FAZ (12.2.) lesen wir dazu. „Binnen zwanzig Minuten war aus einem Spitzenspiel zweiter Klasse die One-Man-Show einer Entdeckung geworden. Herzlichen Glückwunsch! Seine Kollegen, die ihn nach dem Abpfiff von Schiedsrichter Wack innig umarmten, gratulierten Krontiris knapp zwei Stunden später gleich noch einmal. Auf der Rückfahrt nach Aachen wurde der von den Amateuren der Dortmunder Borussia bis zum 31. Dezember ausgeliehene Stürmer 20 Jahre alt. Die Mitternachtszugabe rundete einen unvergeßlichen Tag für ein Talent ab, das sie beim deutschen Meister mangels höherer Perspektiven fürs erste gehen ließen. Krontiris war nach seinem großen Auftritt verständlicherweise nicht imstande, lang und breit zu analysieren, warum er nach ein paar Trainingseinheiten am Tivoli auf Anhieb derart eindrucksvoll auf sich aufmerksam machen konnte. Ich war einfach geil drauf, sagte der frühere deutsche Jugendnationalspieler mit griechischen Familienbanden, das war so ein Tag, an dem alles klappte. Zum Leidwesen des Kölner Torwarts Alexander Bade, der die präzisen Schüsse von Krontiris nicht zu fassen bekam. Ich habe immer richtig gestanden und einfach nur draufgehalten, lautete die ebenso einfache wie einleuchtende Erklärung des Schützen für seine Glücksmomente. Zwei Tage nachdem in der Ersten Bundesliga dem ähnlich unbekümmerten, 22 Jahre alten hannoverschen Kameruner Mohammadou Idrissou der erste Hattrick der Saison gelungen war, schlug eine Liga tiefer die Stunde eines Debütanten. In Dortmund durfte der Vertragsamateur dreimal bei den Großen mitkicken. Doch zu einem Treffer hatte es bei diesen Kurzeinsätzen nicht gereicht. Verläßlicher erfüllte Stürmer Krontiris seinen Auftrag in der vom früheren Nationalspieler Horst Köppel betreuten Regionalligamannschaft des BVB: Elf Tore in zwanzig Spielen, das war eine Quote, die für die Aachener Alemannia das entscheidende Argument war, Krontiris zu verpflichten.“

„Managersuche bei Eintracht Frankfurt gerät zur Machtprobe“ FR

Stange verlässt Irak

Karim El-Gawhary (taz 14.2.) kommentiert die Ausreise Bernd Stanges aus dem Irak. “In den deutschen Medien war Stange seit seinem Amtsantritt in Bagdad letzten Oktober immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, sich vor den Karren Saddam Husseins spannen zu lassen. Aber er sei in all den Monaten von irakischer Seite nie aufgefordert worden, sich politisch zu äußern. Ohnehin, sagt Stange, sei er für die strikte Trennung von Politik und Sport. Erklären sie einmal einem Fan in Schalke oder Dortmund, dass es Schröders und nicht Völlers Verdienst ist, dass die Deutschen Vizeweltmeister sind, sagt er. Schon zwei Mal hat die Politik Stanges Fußballträumen ein Ende bereitet. Die DDR-Olympiaauswahl, die sich 1984 für die Spiele in Los Angeles qualifiziert hatte, musste zu Hause bleiben, als der oberste Sowjet, Leonid Breschnew, und der Staatsratsvorsitzende Honecker beschlossen hatten, die Spiele in den USA zu boykottieren. Zwei Jahre hartes Training waren mit einem Federstrich dahin, erinnert sich Stange. Jetzt kann seine irakische Mannschaft wahrscheinlich die Olympiaqualifikation gegen Vietnam vergessen. Dazwischen liegen zwanzig Jahre, in denen die Welt nichts dazugelernt hat, stellt Stange fest. Dann steht er auf und verabschiedet sich freundlich. Er muss los, um seine Mannschaft noch ein letztes Mal beim Mittagessen zu sehen – und um sich zu verabschieden. Er hat für jeden Spieler einen Brief vorbereitet, in dem er dessen Fortschritte anpreist. Am Ende des Briefes heißt es: Ich bete zu meinem Gott, dass er euch und eure Familien schützt.”

Sport und Politik(er)

Über das Engagement des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck beim 1. FC Kaiserslautern schreibt Eckhart Kauntz (FAZ 13.2.). „Nur Siege zählen. In der Politik ebenso wie beim Fußball. Kurt Beck ist ein Sieger-Typ. Als Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz haben ihn die Wähler schon zweimal in seinem Amt bestätigt. Das hängt auch mit Becks Liebe zum Sport zusammen. Denn überall dort, wo Erfolg eine Mannschaft oder auch einen Einzelkämpfer adelt, da ist auch mit dem Ministerpräsidenten zu rechnen. Er sitzt in Schifferstadt bei der besten Ringermannschaft Deutschlands; er erweist den Tischtennis-Spielern von Grenzau oder der Formel 1 beim Grand Prix auf dem Nürburgring die Ehre. Der Sportverein Vorderweidenthal erinnert sich noch gerne seines Gastes beim Schlachtfest. Die Rad-Erlebnistage Happy Mosel begleitet Kurt Beck mit eigener Muskelkraft, die Volleyballspieler von Mendig oder die Fechter aus Koblenz dürfen mit Becks temperamentvollen Anfeuerungen rechnen. Aber nur im Kaiserslauterer Fritz-Walter-Stadion läuft der Ministerpräsident gelegentlich Gefahr, sein Innerstes nach außen zu kehren und aus Wut oder aus Freude die Contenance zu verlieren. Hier, auf dem Hügel oberhalb der Stadt, nämlich schlägt sein Herz (…) Auch in Trier oder Mainz wird guter Fußball gespielt; beide Mannschaften gehören derzeit der Zweiten Bundesliga an. Und auch deshalb fürchtet Beck den drohenden Abstieg der Erstligaspieler vom 1. Fußballclub Kaiserslautern. Als dieses Schicksal seinen FCK im Sommer 1996 für eine Saison traf, geriet das gefühlsgeleitete Koordinatensystem des Kurt Beck in Unordnung. Als Mainzer Ministerpräsident warf er sich beim Zusammentreffen von Mainz 05 und dem FCK gleich die Schals beider Vereine um den Hals und demonstrierte so gleichermaßen pflichtgemäße und innige Verbundenheit. Aber der neuerliche Verdruß des Kurt Beck über die von einer finanziellen wie sportlichen Pleite gleichermaßen bedrohten Kaiserslauterer Kicker bezieht sich auf Vorgänge in einer ganz anderen Dimension. Am 5. November noch hatte der Ministerpräsident sich vor den FCK gestellt, die letzte Mitgliederversammlung seines bereits in den Grundfesten erschütterten Vereins in bravouröser Manier geleitet und so den drohenden Eklat vermieden. Ob dieses Engagement des einfachen FCKlers Kurt Beck richtig war? Nun geht es beim Verein um Steuernachforderungen in Höhe von 12,9 Millionen Euro, um den Verdacht krimineller Praktiken des früheren Vorstandes, um Überschuldung und um die Zukunft eines im Umbau befindlichen Stadions, das als Austragungsort für die Fußballweltmeisterschaft 2006 angemeldet und auserkoren wurde und dessen einziger Dauernutzer in seiner Existenz bedroht ist. Den Beck holt es jetzt schrecklich ein, sagt Rüdiger Sterzenbach, der Chef des Landessportbundes. Denn nicht nur die Opposition im Mainzer Landtag fragt nun: Was wußte Beck? Die Verbindungen von Politik und Sport sind zum Thema geworden in Rheinland-Pfalz.“

Torwartdiskussion in Bremen

Jörg Marwedel (SZ 13.2.) beschreibt die Situation des in der Kritik stehenden Bremer Torhüters Pascal Borel. „Gern würde Schaaf an Borel festhalten, so wie es damals Otto Rehhagel getan hat mit dessen Vor-Vorgänger Oliver Reck, 37. Auch dem waren regelmäßig kuriose Fehlgriffe unterlaufen, weshalb man ihn „Pannen-Olli“ taufte. Trotzdem zögert Schaaf mit der Entscheidung, ob er Borel am Samstag in Nürnberg einsetzt oder den wenig geschätzten Konkurrenten Jakub Wierzchowski. Ginge es nach Reck, müsste Borel spielen. Denn Reck, im letzten Profijahr Standby- Keeper bei Schalke 04, hatten die Tiefschläge und der Spott irgendwann so gestählt, dass er sogar Nationaltorwart wurde. Jetzt sagt er: „Borel muss kämpfen, er ist doch Sportler, das ist sein Beruf.” Andernfalls käme im Sommer eben ein Neuer. Da helfe „kein Lamentieren“. Tatsächlich halten sie in Bremen längst Ausschau nach einem Keeper, „der schon weiter ist als Pascal“, wie Al-lofs formuliert. So ein Mann wäre Simon Jentzsch von 1860 München, der ein neues Vertragsangebot der Löwen noch nicht unterschrieben hat. Oder Roman Weidenfeller, zweiter Mann bei Borussia Dortmund, den man schon im Vorjahr aus Kaiserslautern holen wollte, während Robert Enke beim damaligen Beobachter Mirko Votava durchfiel und von Benfica Lissabon zum Dorfverein FC Barcelona ging. Thomas Schaaf sagt: „Es war kein Torhüter auf dem Markt, der wirtschaftlich vertretbar gewesen wäre.“ Die Kritiker aber werfen ihm und Allofs vor, nach dem Weggang des Nationalspielers Frank Rost am falschen Ende gespart zu haben. Und es entbehrt nicht der Pikanterie, dass zu diesen Meinungsführern die Senatoren Hattig und Willi Lemke, früher Werder-Manager, zählen – Freunde des Torwarttrainers Dieter Burdenski, der seinerseits via Bild wissen ließ, er sei „enttäuscht“ von Borel. Anders als Reck, der gleich in seinem ersten Jahr Meister wurde, hat Borel nach erst 20 Bundesliga-Spielen kaum Kredit.“

Millionengehälter

Angesichts der neuerlichen Debatte um Fußballergehälter fragt Christian Zaschke (SZ13.2.). „Was in der Welt des Fußballs mit dem Geld geschieht, hat mit uns lange schon nichts mehr zu tun. Aber wer will das wissen? Spielt es eine Rolle? Der Fußball ist sein eigener Kosmos mit seinem eigenen Geld. Auf eigenartige Weise lassen uns die Meldungen von der Verschwendung des Geldes mittlerweile relativ kalt.“

Gewinnspiel für Experten

Kommentare

Comments are closed.

  • Quellen

  • Blogroll

  • Kategorien

  • Ballschrank

123 queries. 1,896 seconds.