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Von der Last der Erwartungen erdrückt
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| Dienstag, 6. Juli 2004Waren die Erwartungen zu groß, Matti Lieske (taz 6.7.)? “Zu einem besonderen Ritual war schon bei den letzten Partien in Lissabon die Anreise der Spieler aus ihrem Quartier im 30 Kilometer entfernten Alcochete auf der anderen Seite des Tejo gewesen. Die Fahrt des Mannschaftsbusses wurde live in voller Länge in Fernsehen und Radio übertragen, am Sonntag verwandelte sich die Strecke in einen Wallfahrtsort. An einer Stelle begleitete eine wilde Horde von Reitern auf galoppierenden Pferden den Bus, und es sah aus, als würden Indianer einen Überfall verüben. Auf der langen Vasco-da-Gama-Brücke folgten Scharen von Schnellbooten den Spielern, auf der Stadtautobahn dann unzählige Motorräder, und die Ränder der Strecke säumten wie bei einer Tour-de-France-Etappe Tausende von jubelnden Menschen. Und mit jedem Kilometer wurde die Last größer, die auf den Schultern der Spieler lag. Wer bis dahin noch geglaubt hatte, der Einzug ins Endspiel genüge als Erfolg bei dieser EM, wie es nach dem Halbfinale geheißen hatte, der sah sich jetzt eines Besseren belehrt. Dies war ein Land, das den Titel, und nichts weniger, erwartete. Eine Kritik, die gestern an den Spielern laut wurde, war, dass sie das Match wie ein ganz normales behandelt hätten und nicht wie das wichtigste ihrer Karriere. Möglicherweise eine Reaktion auf den immensen Druck, der an ihren Nerven zerrte.“