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Interview

In den Märchen aus 1001 Nacht steckt mehr Wahrheit als in türkischen Presseberichten

Oliver Fritsch | Dienstag, 2. November 2004 Kommentare deaktiviert für In den Märchen aus 1001 Nacht steckt mehr Wahrheit als in türkischen Presseberichten

Christoph Daum im Gespräch mit Tobias Schächter (taz 2.11.)
taz: In der türkischen Liga ist Ihr Team trotz des 1:2 im Stadtderby gegen Besiktas Tabellenführer, aber drei Punkte nach drei Spielen in der Champions League sind wenig.
CD: Keine Frage, das ist enttäuschend.
taz: Nach dem 2:6 in Manchester und vor allem dem 1:3 gegen Lyon gab es von der türkischen Presse sehr harte Kritik an Ihrer Taktik und Ihrer Aufstellung. Wie gehen Sie damit um?
CD: Gar nicht, ich ignoriere sie.
taz: Sie ignorieren die Presseberichte?
CD: Warum soll ich mich verteidigen, wenn mich jemand, der überhaupt keinen Einblick hat, mit irgendwelchen frei erfundenen Dingen angreift? Ich bin nur meinem Präsidenten Rechenschaft schuldig und natürlich durch gute Leistung den Fans, aber nicht irgendwelchen Journalisten, die irgendetwas behaupten.
taz: Es gibt täglich Geschichten über Fenerbahce und Christoph Daum.
CD: Ich bleibe bei dem Spruch: In den Märchen aus 1001 Nacht steckt mehr Wahrheit als in manchen türkischen Presseberichten.
taz: Woran liegt es, dass der türkische Meister international so hinterherhinkt?
CD: Wir haben eine zu hohe Fehlpassquote, alles geht in der Champions League eben schneller. Zu oft müssen wir uns den Ball zurückerobern, dabei verbrauchen wir Kraft und Konzentration. Das Lehrgeld, das wir bezahlen müssen, von dem ich auch vor dem Wettbewerb gesprochen habe, von dem will hier niemand was wissen. Die meinen, man muss einfach gegen Lyon gewinnen.
taz: Sie haben aber auch gesagt, 2007 können wir die Champions League gewinnen.
CD: Ich habe gesagt, 2007 können wir das Finale der Champions League anstreben. Dass dies Wunschdenken ist, will ich gar nicht bestreiten. Aber so ein Ziel kann auch der Anstoß sein, gewisse Dinge zu verändern und Begeisterung zu entfachen. 2007 ist das 100-jährige Jubiläum von Fenerbahce – und da wäre es doch eine Riesensache, wenn man international vorne mitmischen würde.
taz: Haben Sie durch diese Aussagen nicht die heftigen Reaktionen hervorgerufen?
CD: Es stimmt: Die Enttäuschung hier schlägt sehr hoch aus, über die Stränge hinweg. Aber nach zwei Tagen ist das dann auch wieder abgekühlt, und nach drei, vier Tagen sind auch wieder Zuspruch und Unterstützung zu spüren.

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