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Bundesliga

Das Stadion als therapeutische Anstalt

Oliver Fritsch | Freitag, 20. Mai 2005 Kommentare deaktiviert für Das Stadion als therapeutische Anstalt

Rainer Moritz (FTD 20.5.) blickt auf 33 Folgen Bundesliga-Soap zurück: „Was haben wir in der Saison alles durchlitten. Johan Micouds rätselhafte Lustlosigkeit, Delron Buckleys Wiedergeburt, Oliver Neuvilles Torflaute, Oliver Kahns zurückgewonnene Power, Thomas Dolls Gruppentherapie zum Zwecke der Toppmöller-Austreibung, den Zusammenhang von Finanzkrise und Abstiegsangst in Dortmund, Uwe Rapolders Zerrissenheit, Volker Finkes Ausgebranntsein, Ailtons Schmollmund … Bis ins Detail wurde die Seelenlage feinfühliger Profis ausgebreitet, und längst sind Salonkommentatoren wie Reinhold Beckmann dazu übergegangen, ihre Talkshowrhetorik ins Stadionrund zu übertragen. Monatelang war zu erdulden, wie die Bochumer Abschlussschwäche mit dem unglücklichen Ausscheiden gegen Standard Lüttich erklärt wurde und wie Peter Neururer auf der Bank das Seelendesaster eines vom Schicksal Geschlagenen vorführte. Küchenpsychologie kaschierte eine Saison des grausamen Mittelmaßes und des internationalen Versagens. Das wird – machen wir uns nichts vor – in der kommenden Spielzeit keinen Deut besser werden (…) Das Stadion als therapeutische Anstalt – so weit hat es die Saison 2004/05 gebracht, und wahrscheinlich ließ sich dies in einer Gesellschaft nicht verhindern, in der Selbstfindungs-, Atemtherapie- und Heilwasserkurse nicht nur im Volkshochschulangebot stehen und der Buchmarkt von Titeln wie „Der innere Garten“, „Das Arbeitsbuch zur Aussöhnung mit dem inneren Kind“ oder „Ab heute kränkt mich niemand mehr“ überschwemmt wird.“

Mischung aus Drama, Schmierenkomödie und Telenovela

„Großes Theater“ sieht Javier Cáceres (SZ 20.5.) in Wolfsburg, „eine neuartige Mischung aus Drama, Schmierenkomödie und Telenovela, in denen die Dolche im Gewande geführt werden (…) Dass für eine Zusammenarbeit zwischen Strunz und Gerets keine Basis besteht, ist Allgemeingut, die beiden divergieren, wo sie nur können, von der PR-Arbeit bis zur Personalplanung. (…) Dass Strunz trotz der massiven Zurückweisung, die er bei den Fans erfährt, am längeren Hebel sitzt, ist wenig verwunderlich. Zwar sind nicht alle Aufsichtsräte über Strunz’ Vorgehen glücklich. Doch Strunz war im Januar nach einem zähen, viermonatigen Auswahlverfahren vom Aufsichtsrat berufen worden; ihn nun zu schassen, käme einem Offenbarungseid gleich. Zudem wird Gerets nachvollziehbar angelastet, dass er es nicht vermocht habe, im Team eine Einheit zu bilden; wie schon in Kaiserslautern zerfiel die Belegschaft unter seinen Händen in Grüppchen.“

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