Ball und Buchstabe
Feiere dich selbst!
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| Freitag, 24. Juni 2005Sehr lesenswert! Christian Kamp (FAZ 24.6.) erforscht den Fan als sozialen Typ: „Das Spiel mit nationalen Motiven und Stereotypen dient weniger dem verbissenen Bekenntnis einzelner als vielmehr einem gemeinsamen Ziel: Mitglied der Spaßgesellschaft des Fußballs zu sein. Fußball-Literaten haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Reihe von Archetypen beschrieben, die sich dem Phänomen Fußball ganz unterschiedlich annähern. Seien es die schwärmerischen Liebesbekundungen des Südamerikaners Eduardo Galeano, sei es der Brite Nick Hornby, der uns verschrobene Insel-Sonderlinge anbietet, die den Fußball todernst und sich selbst doch hoffnungslos ironisch nehmen. Solche Typen verschwinden in der Wirklichkeit zusehends und weichen einem Universalmodell, das sich vor allem durch eines auszeichnet: die Begeisterung am Fan-Sein. Ein Blick in die modernen Fußballtempel während der Partien der deutschen Elf genügt: Im Grunde sind es zwei Spiele, die man beobachten kann, eines auf dem Rasen und ein weiteres auf den Tribünen. Beide berühren sich, und natürlich verstärken sie sich in Momenten der Entscheidung gegenseitig. Aber das Gefühl verschwindet nicht, daß sich die Fans auch selbst genug sein könnten – etwa, wenn schon lange vor dem Anpfiff die Welle der Begeisterung ihre Runden dreht, ohne daß auf dem Platz etwas geschähe. Allerdings hat erst das (von sich selbst) begeisterte Publikum den Confederations Cup zu dem gemacht, was er bislang zu sein nur vorgab: eine Mini-WM als Fußballfest, das von den Akteuren ernst genommen wird und sich nun auch an seinem sportlichem Wert messen lassen kann. (…) Das Publikum hat seine eigenen Regeln aufgestellt, und Paragraph eins lautet: Feiere dich selbst!“